ORGANIC 20 Die Idylle der unberührten Natur ist geprägt von amorphen Strukturen, weichen Formen und Farb- vielfalt. Die Griffe übertragen diesen Trend durch entsprechende organische Formgebung. Geschwun- gene, der Formgebung der Natur entliehene oder raue Oberfl ächen sind weitere Kennzeichen eines puren Wohnambientes im Einklang mit der Natur, das sich in der harmonischen Kombination von wei- chen Formen mit geraden Linien ausdrückt. Welche allgemeinen Trends sehen Sie der- zeit in der internationalen Architektur? Steven Williams, Architekt: In der in- ternationalen Architektur sehen wir Ar- chitektur als Stadtmarketing als einen allgemeinen Trend. Architektur wird zunehmend als Marketingtool einge- setzt. Viele Metropolen errichten große, teilweise öffentliche Bauvorhaben von internationalen Stararchitekten als Be- standteil des PR-Konzeptes einer Stadt. Dieser Ansatz rechtfertigt auch eine nicht einhundertprozentige Funktionali- tät, Kostenüberschreitungen und Termin- verzögerungen, denn es geht nicht primär um Architektur. Ein weiterer aktueller Trend ist die Frag- mentierung in Nischenmärkte. Während die vergangenen Jahrzehnte jeweils von einer starken Strömung und Designspra- che bestimmt wurden, z. B. in der Archi- tektur die Postmoderne oder im Design der Popstil der 70er Jahre, so ist heute eine Parallelität von verschiedenen, spezi- fi schen Trends, die jeweils Nischenmärkte bedienen, zu beobachten. Die Lebenssitu- ationen werden immer individueller und spezieller und so verhält es sich auch mit den Trends. Aktuelle plakative Stichwör- ter sind z. B. Authentic/Vintage Design, Ecodesign, Digital generiertes Design. Wie stehen Sie persönlich diesen Trends gegenüber? Steven Williams: Trends drücken sich meistens aus in Material-, Form- und Farbsprache, also in dem Sichtbaren. Dies ist jedoch nie der Anfang unserer Arbeit und in diesem Sinne haben unsere Pro- jekte auch keine trendspezifi sche Hand- schrift. Wir folgen keinen Trends, sondern entwickeln architektonische Strukturen und Konzepte aus einem tiefen Verständ- nis der Gesellschaft und der mensch- lichen Bedürfnisse. Die Gestaltung ist zweitrangig und reagiert auf Ort, Nut- zung, Bauherr, Budget etc. Was denken Sie: Welche Trends werden sich langfristig behaupten? Steven Williams: Langfristig wird sich meiner Meinung nach der Megatrend Ökologie in allen seinen Facetten be- haupten. Das Bewusstsein für Nachhal- tigkeit, Schonung von Ressourcen, Ener- gieeinsparung und -erzeugung wird sich in den nächsten Jahren noch stärker auf die Herstellung von Bauprodukten aus- wirken. Zurzeit sind erstmal alle fokus- siert auf den Energie- und Ressourcen- verbrauch eines Gebäudes, also auf die Betriebskosten. Es fragt noch niemand, wie viel Energie überhaupt aufgewendet werden muss, um ein Haus zu bauen. Man denke nur an die aufwendige Herstellung und das Recycling von Dämmsystemen. Ich glaube und vor allem hoffe ich, dass sich die Rückbesinnung auf langfristiges Denken und dauerhafte Qualität immer mehr durchsetzt. Wie wirken sich die Trends auf Möbel für die Lebensbereiche Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer und das Büro aus? Steven Williams: Der Megatrend Ökolo- gie sowie die Fragmentierung in Nischen- märkte erfordern eine langlebige, echte Qualität von allen Möbeln. Die Verschie- INTERVIEW Hett_Mag_ Ausg_1_2011_1904.indd 20 21.04.11 13:47