Aktuelles 11 Sven Oßenbrink: Das Facility Manage- ment spielt hier eine Schlüsselrolle. Im nachhaltigen Facility Management wird der gesamte Lebenszyklus von Gebäu- den in den Mittelpunkt gestellt und die erforderlichen Investitionen werden lang- fristig bewertet. Durch eine integrale Be- trachtung baulicher und technischer An- lagen über alle Lebensphasen wird eine Optimierung hinsichtlich Nutzen, Kosten, Ökologie und Werterhaltung erzielt. Es entsteht ein Gesamtoptimum aller Nach- haltigkeitssäulen (ökologische Qualität, ökonomische Qualität, soziokulturel- le und funktionale Qualität, technische Qualität, Prozessqualität, Standortquali- tät) anstelle einer Summe von Suboptima. Wie übertragen Sie diese Konzepte auf den vorhandenen Gebäudebestand? Sven Oßenbrink: Wir erstellen ein Ge- bäudekataster, in dem wir Bewertungen hinterlegen, die uns als Basis einen Leitfa- den bei der Sanierung bzw. Reparatur un- ter Berücksichtigung der ganzheitlichen Betrachtung liefert. Dadurch können wir gezielt auch kleine Maßnahmen exakt in das Gesamtkonzept integrieren. Die ein- zelnen Maßnahmen werden nicht nur in Bezug auf Energieeffi zienz betrachtet, sondern auch, welche Einsparungen die Lösungen gegenüber gängigem techni- schem Standard erreichen können und entsprechend ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet. Durch gezielt eingesetzte Maß- nahmen wird gleichzeitig ein hoher Ar- beitsplatzkomfort erreicht. Wie sehen Sie die perspektivische Ent- wicklung des Industrie- und Gewerbe- baus? Dietmar Riecks: Die zentrale Frage un- serer Zeit ist die Endlichkeit der Energie- verfügbarkeit. Gebäude sind die Haupt- verbraucher fossiler Energien in unserer Gesellschaft, die leider meist erst ver- spätet auf gesellschaftliche Herausfor- derungen reagiert. Die Architektur orien- tiert sich immer an bekannten Mustern, weshalb innovative Ansätze zunächst nur Randerscheinungen sind. Für uns liegt hier seit 1994 die primäre berufl iche Her- ausforderung. Gebäude sind extrem lang- lebige Wirtschaftsgüter, weswegen die Defi zite der Vergangenheit konsequent vermieden werden müssen. Antworten auf die Fragen der Zukunft baulich zu be- antworten ist die Aufgabenstellung. Die Reduktion der energetischen Verbrauche, und damit auch der Gebäudebetriebskos- ten sowie die Anforderungen an Arbeits- plätze hochqualifi zierter Mitarbeiter, sind die Aufgaben baulicher Lösungsstrate- gien. Wir sehen uns hier als Vorreiter des zukünftigen Gebäudestandards im Indus- trie- und Gewerbebau. Martin Palmer, Leiter Umweltreferat/Arbeitssicherheit bei Hettich, Dietmar Riecks, Architekt, und Sven Oßenbrink, Leiter Facility Management bei Hettich (v.l.n.r.) Hett_Mag_ Ausg_1_2011_1904.indd 11 21.04.11 13:46